Ich habe meiner Tochter schon lange versprochen, dass sie dort wohnen wird!
— brüllte der Mann und warf die Schlüssel so auf die Kommode, dass sie zurücksprangen und auf den Boden fielen.

— Deiner Tochter?
Marina drehte sich langsam vom Fenster weg.
Oleg, das war meine Wohnung.
Meine.
Ich habe sie von meiner Großmutter geerbt.
Welches Recht hast du überhaupt, zu entscheiden, wem ich sie hinterlasse?
— Welches Recht?
Oleg griff sich an den Kopf.
Ich bin übrigens dein Ehemann!
Wir sind eine Familie!
Und Lerka ist meine Tochter, deine Stieftochter, sie hat damit gerechnet!
— Damit gerechnet, — wiederholte Marina bitter.
Weißt du, was sie mir beim letzten Mal gesagt hat?
Dass ich eine Fremde bin, dass ich niemals eine richtige Mutter sein werde und dass ich mich nicht in ihr Leben einzumischen habe.
— Sie war fünfzehn!
Alle Teenager sagen so etwas!
— Oleg ging nervös im Zimmer auf und ab.
Jetzt ist sie anders, sie ist erwachsen geworden.
— Ach ja?
Marina verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln.
Und letzte Woche, als ich sie gebeten habe, mir die Taschen aus dem Auto zu tragen, was hat sie geantwortet?
„Frag deine Verwandten.“
So ist das, Oleg.
Und das mit dreiundzwanzig.
— Marina, sie ist einfach…
Oleg stockte.
Sie hat einen schwierigen Charakter, du weißt doch.
— Ich weiß es.
Ich weiß es sehr gut.
— Marina ging zum Sofa und setzte sich.
Ich weiß, wie sie in meiner Gegenwart mit dir flüstert.
Wie sie verstummt, sobald ich den Raum betrete.
Wie sie mich ansieht, als wäre ich nur eine Untermieterin.
— Das übertreibst du!
— Ich übertreibe?
Marinas Stimme wurde leiser, aber härter.
Oleg, zu deinem Jubiläum letztes Jahr hat sie dir eine sündhaft teure Uhr gekauft.
Und mir zum Geburtstag — eine Schachtel Pralinen aus „Pjatjorotschka“.
Ist das Übertreibung?
Oleg wandte sich zum Fenster.
Na gut, vielleicht ist sie nicht besonders… taktvoll.
Aber was hat die Wohnung damit zu tun?
Das ist doch eine Immobilie, das ist ernst!
— Genau deswegen habe ich sie verkauft, — sagte Marina fest.
Und mit dem Geld habe ich Artjom geholfen, sein Geschäft zu eröffnen.
— Artjom?!
Oleg drehte sich ruckartig um.
Deinem Neffen?
Der ist doch dreißig!
Der soll selbst Geld verdienen!
— Das tut er auch.
Aber er brauchte Startkapital.
Und ich habe beschlossen zu helfen.
— Und Lerka konntest du nicht helfen?
Oleg trat näher, sein Gesicht lief rot an.
Sie will doch auch eine eigene Wohnung!
— Lerka wohnt kostenlos bei deiner Mutter in deren Zweizimmerwohnung.
Sie arbeitet in deiner Firma auf einem bequemen Posten.
Und letztes Jahr hast du ihr ein Auto gekauft.
— Marina zählte an den Fingern ab.
Artjom dagegen hat sich nach der Uni alleine durchgeschlagen, hat Zimmer gemietet, sich irgendwie durchgewurstelt.
Und er hat mich nie um etwas gebeten.
— Das ist dein Neffe, das kann dir doch egal sein!
Und meine Tochter ist für dich ein fremder Mensch, ja?
— Oleg schlug mit der Faust auf die Sofalehne.
— Ein fremder Mensch?
Marina sprang auf.
Ich versuche seit acht Jahren, ihr ein naher Mensch zu werden!
Acht Jahre!
Erinnerst du dich, wie ich zu ihrem Abschlussball einen Kuchen gebacken habe?
Drei Stunden stand ich in der Küche!
Und sie sagte vor den Gästen: „Schade, dass Mama nicht mehr lebt, sie hat besser gebacken.“
Oleg presste die Lippen zusammen.
— Sie hat ihre Mutter einfach vermisst…
— Sie hat sie vermisst, das verstehe ich.
Aber man muss mich doch nicht mit Füßen treten!
— Marina spürte, wie ihr die Tränen in den Hals stiegen.
Oder als sie an die Uni wollte.
Drei Monate lang habe ich ihr mit Mathe geholfen, jeden Abend saß ich da, habe erklärt.
Sie wurde aufgenommen — und sie hat sich nicht einmal bedankt.
Dafür erzählte sie allen, wie ihr Papa sie unterstützt hat.
— Marina, such doch nicht in Kleinigkeiten herum!
— Kleinigkeiten?
Sie wischte sich über die Augen.
Für dich sind das Kleinigkeiten?
Oleg, jedes Mal, wenn Lerka kommt, koche ich den ganzen Tag — ihre Lieblingsgerichte.
Ich kaufe ein, putze, räume auf.
Und sie sitzt am Tisch und verzieht das Gesicht: „Irgendwie ist das nicht richtig gesalzen“, „irgendwas stimmt nicht“.
— Sie ist einfach wählerisch beim Essen!
— Nein, eben nicht!
Marina wurde lauter.
So ist sie nur zu mir!
Weißt du noch, als wir zu deiner Schwester gefahren sind?
Dort hat Lerka alles gegessen und gelobt!
Und hier — nein, hier koche ja ich.
Oleg ließ sich schwer in den Sessel fallen.
— Na gut, vielleicht ist sie nicht perfekt.
Aber warum musstest du die Wohnung verkaufen?
Du hättest warten können, dich beraten können…
— Mich beraten?